Der Palio von Siena

Der Palio von Siena ist weit mehr als ein Pferderennen. Zweimal im Jahr treten die Stadtteile zu einem der bekanntesten und zugleich härtesten Rennen Europas an – und das voller Leidenschaft und tief verwurzelter Animositäten.

Ungesattelte Pferde und mittelalterliche Kostüme, Fahnenschwenker und Trommler, alte Rituale und die ungezügelten Emotionen mehrerer Zehntausend Menschen charakterisieren den Palio.

Jedes Jahr am 2. Juli und 16. August wandelt sich der wohl schönste Platz Italiens in eine brodelnde Wettkampfarena, der Palio ist eine ernste Angelegenheit. Fernsehsender übertragen das Rennen, bei dem der große Platz von Pferd und Reiter dreimal umrundet wird, live.

Bilder vom Palio

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Der Palio, ein Wettkampf mit Tradition

Bereits seit dem 13. Jahrhundert tragen die Sienesen den Palio untereinander aus. Das Rennen um das seidene Siegesbanner (Palio) dauert lediglich 75 Sekunden, die Vorbereitungen beginnen jedoch Monate zuvor und bilden einen klar abgesteckten Rahmen.

Rivalisierende Contrade, die Stadtviertel von Siena

Ein historischer Umzug und das Pferderennen bilden den Abschluss einer ganzen Reihe überlieferter Bräuche. Die Vorbereitungen beginnen mit der Auslosung der teilnehmenden Contrade, der Stadtviertel.

Aufgrund der räumlichen Bedingungen auf der Piazza del Campo können nur 10 der 17 Contrade beim Rennen starten. Es sind stets diejenigen, die beim letzten Palio nicht dabei waren, der Sieger des letzten sowie zwei zugeloste Stadtviertel.

Bestechliche Reiter und geheime Pakte

Die einzelnen Contrade haben im Vorfeld bereits einen Jockey, den Fatino, angeheuert. Die Fatini kommen seit jeher nicht aus dem Stadtteil, sondern stammen aus der Maremma oder ganz Italien.

Eigens für den Palio werden die Reiter ‚eingekauft‘, um das Seidenbanner für die Contrada zu gewinnen. Die Wahl des Fatino fällt nicht leicht, denn er muss nicht nur gut reiten können, sondern auch den Bestechungsversuchen der feindlichen Stadtviertel wiederstehen können!

Doch nicht nur die Reiter, auch die Oberhäupter der Contrade treffen Vorabsprachen und schließen Bündnisse gegen andere Stadtteile, denen der Sieg am wenigsten gegönnt würde.

Bewachung der Pferde

Eine Woche vor dem Ereignis wird eine dicke Sandschicht auf den äußeren Rand der Piazza aufgetragen, um Pferd und Reiter zu schützen.

Drei Tage vor dem Palio entscheidet das Los, welches Pferd der Jockey eines Stadtteiles reiten wird. Das Ross wird von nun an gut gehütet, denn Streiche und Gemeinheiten sind bei diesem Wettkampf keine Seltenheit.

Fünf Probewettläufe bereiten Pferd und Reiter auf den großen Abend vor. Am Vorabend des Rennens, nach der Generalprobe, trifft man sich in den einzelnen Stadtvierteln, um sich mit gutem Essen und Wein auf den Palio einzustimmen.

Am Tag des Palio

In der Kirche der einzelnen Contrade werden die Pferde gesegnet. Anschließend nehmen die Contrade in historischen Gewändern am traditionellen Umzug zur Piazza del Campo teil.

Historischer Umzug Corteo Strocio

Jedes Stadtviertel schickt stellvertretend Fahnenschwinger, Trommler, Pagen, Heerführer und Bannerträger, die das Symbol der Contrada (Gans, Schnecke, Turm etc.) hochhalten. Ganz am Ende kommt der reichgeschmückte, von imposanten weißen Bullen gezogene Kriegswagen, der das begehrte Banner, den Palio, trägt.

Am Platz erwartet sie eine dichtgedrängte, riesige Menschenmenge, die umliegenden Balkone und Fenster quellen über vor begeisterten Anhängern.

Die rauen Sitten der Fantini

Gegen 20 Uhr beginnt das abschließende Rennen – fieberhaft von den emotional aufgeladenen Zuschauern erwartet. Zu allem bereit stürzen sich Pferd und Reiter in atemberaubender Geschwindigkeit in die Bahn. Um an das Ziel zu kommen, ist den Jockeys fast alles erlaubt.

Peitschenhiebe auf das feindliche Pferd, Körpereinsatz, vorher getroffene Absprachen und andere raue Vorgehensweisen ebnen den Weg zum Sieg. Tierschutzorganisationen forderten aus diesem Grund wiederholt die Abschaffung des Palio.

Besonders in der matratzengepolsterten Kurve von San Martino wird deutlich, wie gefährlich und rücksichtslos der Palio sein kann. Die Pferde können das Rennen übrigens auch scosso, ohne Reiter, gewinnen.

Nur der Sieg beim Palio zählt

Der Palio ist hart, nur der Sieg zählt. Der Zieleinlauf wird mit allem kommentiert, was die italienische Sprache hergibt: Vom euphorischen Jubelgeschrei bis zu übelsten Schimpfworten ist alles zu hören. Die Gesichter sagen mehr als alle Worte.

Nach dem Palio geht es zu einem Dankesgebet in die Kirche. Im Anschluss werden die Gewinner und vor allem das Siegespferd begeistert gefeiert.

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